Urs Keller - Präsident des Berner Handwerkermärits 

Auf den ersten Blick möchte man Urs Keller in die Schublade der "Bärenmanis" einordnen.

Er wirkt ruhig und gelassen, lässt sich und andern genügend Platz. "Leben und Leben lassen" scheint  sein Motto zu sein. Urs stellt sich nicht in den Vordergrund,sondern tut das was zu tun ansteht. Er ist ein waschechter Handwerker, der zupacken kann und für den Hilfsbereitschaft kein Fremdwort ist. «Kannst du nein sagen?», frage ich ihn ganz am Anfang unseres Gespräches. Schmunzelnd sieht er mich an. Ob ich da wohl den Nagel auf den Kopf getroffen habe? «Blöde Frage! Nein, natürlich kann ich nicht gut nein sagen. Ich finde allerdings eine gewisse Hilfsbereitschaf muss sein und das ist mir auch wichtig. Ich habe den Eindruck, dass mir kein Zacken aus der Krone fällt, wenn ich andern helfe und weisst du, mit so vielen Frauen im Haus, da bleibt mir wohl nicht anderes übrig», sagt er, und lacht schallend. Urs lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Bern. Die dritte und älteste Tochter ist bereits ausgeflogen. Urs ist ein Familienmensch und mag es gar nicht, alleine zu sein. Deshalb sorgt er dafür, dass er ein einigermassen harmonisches Leben führen kann. Selbstverständlich gelingt es ihm nicht immer. Um so viele Frauen ist es wohl schwierig in Harmonie zu leben! «Bei so vielen Frauen könntest du eigentlich den Pascha spielen, oder nicht?» Urs schaut mich lachend an. «Meinst du, dass ich das mal ausprobieren sollte? Ich glaube kaum, dass ich bei meinen Frauen nur die leiseste Chance hätte», meint er trocken.

Seit mehr als zehn Jahren gehen Rosmarie und Urs auf den Handwerkermärit auf der Münsterplattform.

Weil die herkömmlichen Kinderspielsachen viel zu teuer waren, kamen sie auf die Idee, die Spielsachen für ihre Töchter selbst aus Holz zu zimmern. Später, als die Kinder grösser waren, verkauften sie die Spielsachen weiter und mit wachsender Nachfrage  entstanden immer wieder neue Motive und neue Tierfiguren. «Früher haben wir die Waren noch mit dem Leiterwagen zum Markt geführt, aber jetzt sind wir moderner geworden und nehmen das Auto.» Rosmarie zeichnet die Prototypen der Holztiere und der Handwerker sägt diese nach ihren Vorlagen aus», meint er schelmisch. «Jedes einzelne Tier wird von Hand hergestellt und von Rosmarie bemalt.» Stolz ist er, dass einige ihrer Holztiere in der ganzen Welt herumgekommen sind. «Es gibt Sammler und so kommt es schon vor, dass wir nach USA oder Japan ein Holztier nachliefern dürfen. Es gibt Kunden, die freuen sich, wenn sie eine neue Holzfigur von uns in ihrer Sammlung haben.» «Welches dieser Holzfiguren sind denn deine Lieblingstiere?» «Mir gefallen Katzen in jeder Form und Farbe, auch die Hunde mag ich gerne. Jedes Mal freue ich mich, wenn ein neues Tier entsteht. «Gibt es auch ein Tier mit dem du nichts anfangen kannst?», frage ich ihn weiter. «Ja, das Wasserschwein», kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Das gefällt mir nicht besonders.» «Was ist ein Wasserschwein», frage ich ihn erstaunt. «Ein Wasserschwein ist ein grosses Meerschwein, aber das kennt man hier nicht und deshalb wird es vielleicht nicht allzu erfolgreich verkauft.» «Vielleicht verkaufst du es nicht, weil es dir nicht gefällt», wende ich ein. Urs schaut mich nur an und sagt gar nichts dazu!

Die Arche Noah von Rosmarie und Urs ist voller Holztiere: exotische Wesen, Katzen, Hunde, Zwerggeissli, Mäuse und vieles mehr. Jedes dieser Tiere ist ein Original und wird von Rosmarie signiert. «Jedes Stück ist Handarbeit und braucht seine Zeit», sagt er nicht ohne Stolz. «Sobald wir die Tiere maschinell herstellen müssen, höre ich auf. Mir ist es wichtig, dass die kleinen Kunstwerke von Hand erschaffen werden und eben noch ein echtes Kunsthandwerk darstellen.

 «Wie ist es eigentlich, wird auf dem Handwerkermärit tatsächlich nur Handgemachtes verkauft?» «Wir sind bestrebt, einheimisches Handwerk zu pflegen und schauen genau auf die Ware, welche verkauft werden. Wir schauen schon darauf, dass das Handwerk tatsächlich im Vordergrund steht. Ob jemand selbstgemachte Konfitüre, Fotokarten oder gestrickte Socken verkauft ist eigentlich egal, aber es soll Handwerk sein.»

 Für Urs ist der Handwerkermärit ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben und solange er Freude daran hat, wird er von März bis Dezember jeden ersten Samstag im Monat auf dem Handwerkermärit anzutreffen sein. Ihm ist es auch wichtig, dass der Märit erhalten bleibt. «Klar würde ich mir manchmal einen "besseren" Platz wünschen. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir einmal ins Stadtzentrum können.» Urs mag die Menschen und die Menschen mögen ihn. Er kann aber auch mal laut werden, wenn man ihm auf die Füsse "tschaupet" er würde allerdings niemanden "ertrinken" lassen, auch wenn er noch so wütend wäre. Also doch ein Bisschen Bäremani?

Herzlichen Dank Urs für deine Zeit und danke, dass du mir Red und Antwort gestanden hast.

Rosmarie Bernasconi

und hier noch einiges über die Firma URATJ