Er wirkt ruhig und
gelassen, lässt sich und andern genügend Platz. "Leben und Leben lassen"
scheint sein Motto zu sein. Urs stellt
sich nicht in den Vordergrund,sondern tut das was zu tun ansteht. Er ist ein
waschechter Handwerker, der zupacken kann und für den Hilfsbereitschaft kein
Fremdwort ist.
«Kannst
du nein sagen?», frage ich ihn ganz am Anfang unseres Gespräches. Schmunzelnd
sieht er mich an. Ob ich da wohl den Nagel auf den Kopf getroffen habe? «Blöde
Frage! Nein, natürlich kann ich nicht gut nein sagen. Ich finde allerdings
eine gewisse Hilfsbereitschaf muss sein und das ist mir auch wichtig. Ich
habe den Eindruck, dass mir kein Zacken aus der Krone fällt, wenn ich andern
helfe und weisst du, mit so vielen Frauen im Haus, da bleibt mir wohl nicht
anderes übrig», sagt er, und lacht schallend. Urs lebt mit seiner Frau und
seinen zwei Töchtern in Bern. Die dritte und älteste Tochter ist bereits ausgeflogen.
Urs ist ein Familienmensch und mag es gar nicht, alleine zu sein. Deshalb
sorgt er dafür, dass er ein einigermassen harmonisches Leben führen kann.
Selbstverständlich gelingt es ihm nicht immer. Um so viele Frauen ist es wohl
schwierig in Harmonie zu leben! «Bei so vielen Frauen könntest du eigentlich
den Pascha spielen, oder nicht?» Urs schaut mich lachend an. «Meinst du, dass
ich das mal ausprobieren sollte? Ich glaube kaum, dass ich bei meinen Frauen
nur die leiseste Chance hätte», meint er trocken.
Weil
die herkömmlichen Kinderspielsachen viel zu teuer waren, kamen sie auf die
Idee, die Spielsachen für ihre Töchter selbst aus Holz zu zimmern. Später,
als die Kinder grösser waren, verkauften sie die Spielsachen weiter und mit
wachsender Nachfrage entstanden immer
wieder neue Motive und neue Tierfiguren. «Früher haben wir die Waren noch
mit dem Leiterwagen zum Markt geführt, aber jetzt sind wir moderner geworden
und nehmen das Auto.» Rosmarie zeichnet die Prototypen der Holztiere und der
Handwerker sägt diese nach ihren Vorlagen aus», meint er schelmisch. «Jedes
einzelne Tier wird von Hand hergestellt und von Rosmarie bemalt.» Stolz ist
er, dass einige ihrer Holztiere in der ganzen Welt herumgekommen sind. «Es
gibt Sammler und so kommt es schon vor, dass wir nach USA oder Japan ein Holztier
nachliefern dürfen. Es gibt Kunden, die freuen sich, wenn sie eine neue Holzfigur
von uns in ihrer Sammlung haben.» «Welches dieser Holzfiguren sind denn deine
Lieblingstiere?» «Mir gefallen Katzen in jeder Form und Farbe, auch die Hunde
mag ich gerne. Jedes Mal freue ich mich, wenn ein neues Tier entsteht. «Gibt
es auch ein Tier mit dem du nichts anfangen kannst?», frage ich ihn weiter. «Ja,
das Wasserschwein», kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Das gefällt
mir nicht besonders.» «Was ist ein Wasserschwein», frage ich ihn erstaunt.
«Ein Wasserschwein ist ein grosses Meerschwein, aber das kennt man hier nicht
und deshalb wird es vielleicht nicht allzu erfolgreich verkauft.» «Vielleicht
verkaufst du es nicht, weil es dir nicht gefällt», wende ich ein. Urs schaut
mich nur an und sagt gar nichts dazu!
Die Arche Noah von
Rosmarie und Urs ist voller Holztiere: exotische Wesen, Katzen, Hunde, Zwerggeissli,
Mäuse und vieles mehr. Jedes dieser Tiere ist ein Original und wird von Rosmarie
signiert. «Jedes Stück ist Handarbeit und braucht seine Zeit», sagt er nicht
ohne Stolz. «Sobald wir die Tiere maschinell herstellen müssen, höre ich auf.
Mir ist es wichtig, dass die kleinen Kunstwerke von Hand erschaffen werden
und eben noch ein echtes Kunsthandwerk darstellen.
zu pflegen und schauen
genau auf die Ware, welche verkauft werden. Wir schauen schon darauf, dass
das Handwerk tatsächlich im Vordergrund steht. Ob jemand selbstgemachte Konfitüre,
Fotokarten oder gestrickte Socken verkauft ist eigentlich egal, aber es soll
Handwerk sein.»
Rosmarie Bernasconi