Ich sitze ihm gegenüber am Handwerkermärit, in der gemütlichen kleinen Imbissecke auf der Münsterplattform. Jeden ersten Samstag gehört die Münsterplattform in Bern den HandwerkerInnen, welche hier ihre Waren verkaufen. Ruedi schaut mich an und meint in seiner trockenen Art: «Was willst du wissen von mir?» «Alles!», erwidere ich spontan. Verschmitzt und geheimnisvoll lächelt er mir zu. «Stille Wasser, die sind tief», denke ich und lächle zurück.
Er steht Monat für Monat hinter seinem Stand
auf dem Handwerkermärit und hilft seiner Frau Rosmarie beim Verkauf von
Bäbikleidern. Ruedi ist ein Mann, der es nicht nötig hat, sich in den Vordergrund
zu stellen. Er tut, was zu tun ist und unterstützt seine Frau, hilft wo
Not an der Frau oder am Mann ist. Zudem ist er seit einigen Jahren der Kassier
vom Handwerkermärit seit diesem Jahr auch vom Berner Münster Weihnachtsmarkt.
Organisieren liegt ihm und so wird Ruedi selbstverständlich immer wieder
angefragt, wenn es etwas zu tun gibt. «Kannst du eigentlich gut nein sagen?»
«Nein, logisch kann ich das nicht, aber wenn ich merke, dass ich ausgenutzt
werde, kann ich schon mürrisch werden und dann bleibt ein nein auch ein
nein. Wieso fragst du?» «Ich habe mir so etwas gedacht, weil du eben ein
sehr aktiver und liebenswürdiger Mensch bist», gebe ich zurück.
Ruedi ist ein spannender Mensch. Neben seinem Beruf als Maschinentechniker
und dem Markt spielt er Tenorhorn in der Musikgesellschaft Neuenegg. Vielleicht
werden wir ihn schon bald auf dem Handwerkermärit an einem Konzert hören
können - wer weiss? Durch seine Arbeit kommt er mit vielen Menschen zusammen
und so ist es für ihn wichtig, dass er immer wieder Ruhe findet, um Stress
abzubauen und sich vom beruflichen Alltag zu erholen. Gerade die Musik gibt
ihm ein Gefühl von Ruhe und Ausgeglichenheit.

Erholen kann er sich auch auf seinen verschiedenen
Reisen. "Andere Länder, andere Sitten", das fasziniert ihn am
Reisen. «Die Andersartigkeit der Menschen und die verschiedenen Lebensstile
sind immer wieder Dinge, die mich interessieren. Ich unterstütze gerne Menschen,
die auf der Schattenseite des Lebens stehen, vor allem Kinder.» Bewundernd
schaue ich diesen ausgeglichenen und ruhigen Menschen an. Er war noch nie
ein Mann der grossen Worte, aber ein Mann der Tat. So sieht er, wenn ein
Marktstand schräg steht, stellt ihn gerade, bevor der andere es bemerkt
hat.
«Wie lange willst du noch Märit machen?», frage ich ihn weiter. «Solange
ich noch mag und Spass habe und einen guten Platz erhalte. Manchmal, nein
nicht hier auf dem Handwerkermärit, an auswärtigen Märiten, bekommst du
irgendwo zu hinterst in einer Ecke einen Platz. Das mag ich nicht sonderlich,
und wenn man mich schnoddrig behandelt finde ich das nicht speziell nett.
Das ist nicht überall so, aber es gab auch schon Märkte wo ich nicht mehr
hingehen würde.»
«Seit einigen Jahren bist du Kassier vom Handwerkermärit und seit diesem
Jahr auch vom Berner Münster Weihnachtsmarkt. Kannst du gut mit Geld umgehen?»,
frage ich ihn schelmisch. Wieder sehe ich sein verschmitztes Lächeln und
trocken antwortet er. «Auwä scho.» Somit ist dieses Thema erledigt.
«Was wünscht du dir für den Weihnachtsmarkt?», frage ich ihn zum Schluss
von unserem Gespräch. «Ich hoffe, auf einen reibungslosen Ablauf ohne Unfälle
und Unstimmigkeiten. Ich wünsche mir aber auch Zufriedenheit und Harmonie
und, dass es allen gut gehen mag.» So ist Ruedi, ausgeglichen, ruhig und
zuvorkommend, und er weiss was er will und was er will das tut er! Es beginnt zu regnen
und Ruedi verschwindet wieder hinter dem Bäbikleider-Stand.

Herzlichen Dank für das schöne Gespräch.
Rosmarie Bernasconi